Kalenderwoche 50

Dezember 12th, 2009 § 0 comments

Den Montag habe ich im Sitzungssaal Raum 1120 des Bayerischen Ministeriums für Forschung, Wissenschaft und Kultur verbracht, denn dort trafen sich Zuständige, Verantwortliche und sonstwie Betroffene in Sachen Literatur aus den bayerischen Bezirken, um über das Bayerische Literaturportal zu reden und nachzudenken. Unser Konzept scheint recht gut angekommen zu sein, unverkennbar ist allerdings, dass die die öffentlichen Institutionen in Bayern sich als zunehmend überlastet empfinden (ob das stimmt oder nicht, mag ich nicht beurteilen) und deshalb wohl eher wenig werden beitragen können. Jedoch sind noch lange keine letzten Worte gesprochen, wir werden also sehen, wie die Zusammenarbeit sich am Ende tatsächlich gestalten wird. Da ich erstmals eine Arbeitsgruppe zu leiten bzw. zu moderieren und deren Ergebnisse in großer Runde vorzustellen hatte und überhaupt allerlei Fragen beantworten musste, war ich nach dieser stundenlangen konzentrierten Anspannung ziemlich kaputt. Endlich zuhause habe ich meine Besprechung des (sehr schönen!) Hörbuchs „Die Nacht ist aus Tinte gemacht“, in/auf (?) dem die Nobelpreisträgerin Herta Müller von ihrem Aufwachsen im rumänischen Banat erzählt, noch einmal durchgelesen und abgeschickt an den Freitag.

Dienstagmorgen hatte ich meinen dieswöchigen „Altpapier“-Dienst (Freitag hatte ich dafür frei), der mich gleich mehrmals in die Schweiz führte (Einstellung der Gratiszeitung News, NZZ-Text über die Artikel deutscher Journalisten über das Minarett-Volksbegehren und aus gegebenem Anlass die NZZ-Folio-Geschichte über die Historie der Gratiszeitungen). Nachdem ich den Text eingespielt, alle Links gesetzt, die Bilder hochgeladen und auf „Speichern und Veröffentlichen“ geklickt hatte, erschien die Anmeldeseite von dnews (offenbar hatte ich irgendeine Zeit überschritten). Und alles war weg. Ãœbler Schock am Morgen, gegen den nicht einmal gutes Zureden wirklich hilft, schließlich war das pünktliche Erscheinen des Altpapiers, das ich für sehr wichtig halte, damit verunmöglicht.

Abends habe ich den Stammtisch des Aufbaustudiengangs Kulturkritik sausen lassen, weil ich nach diesen eineinhalb Tagen wenig Lust & Laune zum Plaudern hatte. Zum entspannenden Brainwash wollte ich mir dann „Popstars“ anschauen, das ich in den vergangenen Wochen tatsächlich brav verfolgt habe. Was soll ich sagen: Es war furchtbar. Sobald die Sendung ihren Dokusoap-Charakter verliert und nurmehr aus der – von Wiederholungen der „schönsten Momente“ elend in Länge gezogenen – Show besteht, wird´s ein jedes Mal wieder schlimm (siehe auch FAZ-Fernsehblog von Peer Schader).

Am Mittwoch: Einkommenssteuer-Vorauszahlung geleistet und meine Kritik des neuen, reichlich merkwürdigen Romans „Hinterland“ von Feridun Zaimoglu angefangen, aber nicht recht weit gekommen damit. Dafür habe ich mir ein paar Gedanken über den Januar-KLAPPENTEXT gemacht und deshalb endlich wieder einmal Tucholsky gelesen.

Am Donnerstag habe ich als Multitaskerin völlig versagt, als zeitgleich eine dringende E-Mail kam und eine alte Freundin mich per Facebook anchattete, während ich ein wichtiges Telefonat führte. Abends sind Max und ich dann doch nicht zur zehnseiten.de-„Eventlesung“ gegangen, sondern haben einfach nur zusammen zu Abend gegessen. Dass ich deshalb das Popstars-Finale nicht anschauen konnte, hat mich so überhaupt gar nicht gestört (s.o.), dass ich es mir nicht einmal mehr nachträglich online angesehen habe.

Am Freitag habe ich mich über diesen CARTA-Text eines Journalistik-Profs (!!!) aber sowas von geärgert sowie über die neueste Facebook-Mode, irgendwelchen Proforma-Gruppen (Wir sind für das und gegen dies) beizutreten. Als wäre damit das gesellschaftliche Engagement des guten Bürgers bereits erledigt. Allerdings bin ich seltsamerweise recht früh aufgestanden und habe in Rekordzeit die Zaimoglu-Kritik vollendet und gleich abgeschickt an die Berliner Zeitung.

Heute morgen habe ich die halbe Papiermülltonne mit den Vorschauen vom Herbst 2009 gefüllt, da die ersten für Frühjahr 2010 sich hier schon langsam zu stapeln beginnen. Vielleicht werde ich heute Abend mal hinein blättern. Außerdem steht ein Text für den Freitag an, über den ich hier gar nichts verraten will, weil ich das Thema eine ganz gute Idee von mir finde, worüber ich noch nirgendwo etwas gelesen habe, obwohl´s auf nicht nur einem Silbertablett herum liegt.

P.S.: Meine aktuelle Lektüre ist 1. „Unter diesem Einfluss“ von Henning Kober (aus beruflichen Gründen), das einen schönen sprachlichen Drive hat, dessen Handlung mich allerdings zunehmend langweilt, weil sie zuallererst darin besteht, durch die Welt zu gondeln und dabei viel zu kiffen und überhaupt recht krass drauf zu sein (aber sooo krass dann eben auch wieder nicht); sowie 2. Fritz Sterns „Kulturpessimismus als politische Gefahr“, weil ich genau dieses Thema für höchst brisant halte, wobei mich das Buch ziemlich enttäuscht, da Stern an Lagarde, Langbehn und van den Bruck völlig individualpsychologisch herangeht und das „Rechte“ am Kulturpessimismus (meiner Meinung nach) bislang noch nicht wirklich klären konnte; sowie 3. Rudolf Lorenzens Berlin-Reportagen, die der Verbrecher Verlag unter dem Namen „Paradies zwischen den Fronten“ herausgebracht hat, weil ich Lorenzen für einen der ganz großen deutschen Autoren halte – worin ich auch nicht enttäuscht wurde. Während es mich überraschte, dass Lorenzen in seinen Zeitungstexten noch lustvoller seiner Vorliebe für die Fakten frönt und diesen scheinbar naiven Ton an den Tag legt. Wie eng und folgerichtig also sein literarischer Stil mit seinem journalistischen zusammenhängt.

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