Alte und neue Ufer

März 29th, 2010 § 1 comment

In den vergangenen Monaten war es hier ziemlich still, ja. Auch der Facebook-App-Text war kein richtiger Blogeintrag, sondern ein Artikel für den Freitag, den ich eingestellt hatte, damit´s nicht ganz so armselig aussieht.

Es ist jedoch nicht so, dass nichts passiert wäre in dieser Zeit, im Gegenteil. Anfang Februar bekamen meine Altpapier-Kollegen und ich gesagt, dass Dnews unseren Vertrag nicht über den 8. März hinaus verlängern wird. Mich hat diese Nachricht nicht sonderlich überrascht: Die Redaktion war zwar immer sehr nett und hilfsbereit und durchweg sympathisch, aber irgendwie wirkte das Altpapier zwischen all den Nachrichten deren Auswahl mir im Übrigen gut gefällt, da die Sex&Crime-Quote überraschend niedrig ist fast schon wie ein Fremdkörper; vor allem, nachdem bereits im vergangenen Jahr die anderen Kolumnisten gekündigt worden waren, mit denen wir anfangs immerhin ein reelles Gegengewicht zu den reinen Facts bildeten. Es sah wohl so aus: Dnews generierte nicht das Mehr an Traffic, das man sich von uns vielleicht erhofft hatte, und auch das Altpapier profitierte nicht von der Einbettung in eine ziemlich blanke Newsseite was kaum verwundert: Altpapier-Leser sind medienaffine Menschen, die kennen die Neuigkeiten halt immer schon.

Mir persönlich hat diese Nichtverlängerung des Vertrags eine Entscheidung abgenommen, die ich schon länger im Kopf hin und her wendete. Und die nun also getroffen ist: Sollte das Altpapier weiter gehen, dann geht es das in Zukunft ohne mich. Das hat, wie ja alles, auch persönliche Gründe (inklusive Facebook-Entfreundung), vor allem aber damit zu tun, dass mir das Schnellschnellschreiben immer schon schwer, mit der Zeit aber immer schwerer fiel. Hatte ich ein Altpapier publiziert, dann beschäftigte mich dieser Text noch den ganzen Tag, eben weil ich ihn nie zuende denken konnte, hier und da noch ein Hinweis hingehört hätte, dieser oder jener Dreh mir plötzlich völlig umständlich oder unlustig vorkam. Mir ist es schlichtweg lieber, wenn ich selbst entscheiden kann, wann ein Text fertig ist und den Punkt gibt es, das weiß jeder Schreiber, und nicht meine Müdigkeit oder die Uhrzeit das übernimmt. Das geht nicht immer, schon klar, aber quasi als Dauerzustand habe ich´s einfach nicht gepackt, so einfach ist das.

Etwas leichter ist mir das natürlich gefallen, weil das Herzblut gerade sehr am kommenden Literaturportal Bayern hängt, das Anfang 2011 online gehen wird und das ich mitkonzipiert habe. Als Prolog dazu ging heute – nach mehreren Wochen des Kampfes mit WordPress – das Literaturblog Bayern online, das den Aufbau des Portals begleitet und schon einige der angedachten Inhalte bereit stellt (allerdings in schlichtestem Design). Das bedeutet jetzt zwar ebenfalls viel Stress und viel Arbeit, aber zugleich viel Raum für Gedankenspinnereien, für gute wie schlechte Ideen und für Formatspielereien. Ich freue mich jedenfalls über jeden, der da mal vorbei schaut und am besten noch seine Meinung dazu abgibt, denn das Literaturportal Bayern wird eben kein statisches Portal werden, sondern ein lebendiges, an dem sich die Leser – also ihr – beteiligen sollen.

Das Aufhören beim Altpapier und das Anfangen beim Literaturportal Bayern bestätigt im Übrigen eine weiteres Mal meine Erfahrung, dass – zumindest was mich betrifft – Journalismus ich meine Journalismus, nicht PR zunehmend verstaatlicht wird, weil private Unternehmen ihn sich immer weniger leisten können. An dieser Stelle muss ich auch ein Lob aussprechen für das mich mal wieder niemand bezahlt: Das Bayerische Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur, das die ganze Sache initiiert hat, hat mir bei der Konzeption des Literaturportals Bayern die freieste Hand gelassen, die man sich nur denken kann. Und die Bayerische Staatsbibliothek, die das Projekt leitet, geht damit erstmals wirklich den Weg ins Web 2.0 bei Second Life und Twitter drohen schließlich keine juristischen Probleme mit Usercontent und will das auch unbedingt, selbst wenn die Programmierer deshalb Tage damit verbringen müssen, die sehr hohen Sicherheitsstandards der BSB zu gewährleisten. Danke dafür.

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