Zwei falsche Sätze über “die alarmbereiten”
Kathrin Rögglas Texte sind, zugegeben, schwer zu durchschauen und deshalb auch gar nicht so einfach zu beschreiben. Wenigstens ‘phänomenologisch’ sollten Literaturkritiker das allerdings hinbekommen. Tun sie aber offensichtlich nicht immer:
1. Maike Albath textete für den Deutschlandfunk über das Buch: “In sieben Kapiteln gibt sie [Röggla] die Rede verschiedener Figuren wieder, die sich jeweils auf ein unsichtbares Gegenüber beziehen. Dabei spielt sie verschiedene Szenarien durch und verwendet ausschließlich den Konjunktiv: …”. Anhand des folgenden Zitats erkennt man zwar, dass es sich mitnichten um einen Irrealis/Konjunktiv II handelt, wie Albath durch die Rede vom “Durchspielen” andeutet. Den wichtigsten Begriff aber unterschlägt die Rezensentin einfach: “die alarmbereiten” steht im Konjunktiv, ja, und zwar einzig und allein, weil es durchgehend in indirekter Rede geschrieben ist. Das wird in dieser Kritik tatsächlich überhaupt nicht erwähnt – was ehrlich kaum zu glauben ist, auch und gerade weil es das vermeintlich “unsichtbare Ich” durchaus ein wenig sichtbarer macht.
2. In Nicole Hennebergs FAZ-Rezension wiederum heißt es: “Nur in einer Geschichte (‘die wilde jagd’) gibt sich ein reales Ich zu erkennen, ein Entführungsopfer, das aber bezeichnenderweise schweigt.” Und das ist nun richtiger Quatsch von Anfang bis Ende. Denn jede Geschichte dieses Buches funktioniert genauso: ein Ich schweigt und tut es doch nicht, eben weil es nie die eigene Rede, dafür stets die Rede seiner Gegenüber wiedergibt. Was für ein Unsinn es ist, bei einem Buch von einem “realen Ich” zu sprechen, das “sich zu erkennen gibt”, darüber will ich lieber gar nichts mehr sagen. Außer vielleicht: Hallo, das sind Buchstaben!

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