Ich mach‘ mir die Welt widdewidde wie sie mir gefällt

Juni 16th, 2011 § 43 comments

Ich greife Autoren eigentlich ungern namentlich an, aber diesmal geht es leider nicht anders. Zur Vorgeschichte: Im Jahr 2008 lief der Dokumentarfilm „Kinder der 68er – Erben der Revolte“, den ich für den FREITAG besprochen habe. Der Name Mariam Lau sagte mir damals selbstredend etwas, gelesen hatte ich von ihr bis dato jedoch so gut wie nichts. Und danach noch weniger, denn seit diesem Film ist sie mir gründlich unsympathisch, wie man dem Ausschnitt aus meinem Artikel darüber vielleicht entnehmen kann:

Mit seinem Vortrag über das Schah-Regime gab ihr Vater [Bahman Nirumand] 1967 den Studenten die Argumente ihrer Proteste in die Hand, seine Tochter arbeitet heute bei der Zeitung Die Welt – bei der „Springer-Presse“ also, die den 68ern von Anfang an ein Dorn im Auge war. „Eine Stimme der Dritten Welt“ unterzeichnete Nirumand seine Zeitungsartikel damals, „das war die Rolle, die mein Vater spielte“, urteilt Mariam Lau belächelnd – als wäre es gar nicht denkbar, dass Bahman Nirumand sich selbst so gesehen hat. Mit links will Lau sichtlich nichts zu tun haben; „da bin ich Gott sei Dank verschont geblieben“, freut sie sich gleich zweimal, als die Rede auf die anti-autoritäre Erziehung kommt. Auch macht sie eine Differenz zwischen „links“ (die Anderen) und „klar sehen“ (sie selbst) auf.

Wie klar sie politisch sieht, kann man in der aktuellen ZEIT lesen, für die Lau mittlerweile schreibt. Eine Doppelseite im Feuilleton ist dem Feminismus gewidmet, den Auftakt links oben bildet Laus Text „Was ist schiefgelaufen?“, die Unterzeile lautet: „Warum ich Heidi Klum hasse – und meine Tochter ‚Germany´s next Top-Model‘ trotzdem sehen darf“. Die Erklärung, warum Mariam Lau Heidi Klum hasst, kann man sich denken: Es sind die bekannten und richtigen Argumente gegen GNTM (hier als GNT abgekürzt, warum auch immer), jedoch eher verhalten und mit einigen Fragezeichen in Worte gefasst. Spannender ist dagegen die Erklärung, warum ihre Tochter die Sendung „trotzdem“ sehen darf. Erstens, so Mariam Lau in meinen Worten, ist Anna ein selbstbewusstes Mädchen. Das will ich ihr auch gerne glauben, denn ohnehin ist es das Zweitens, das mich die vergangenen Stunden derart in Rage versetzte, dass ich mich erst einmal beruhigen wollte (was bislang noch nicht so gut geklappt hat). Mariam Lau schreibt:

Zweitens – und das dürfte der tiefere Grund dafür sein, dass ich mir keine Sorgen mache – sind Anna und ihre Freundinnen Mittelschichtskinder, die beste Aussichten haben, selbst auch wieder Mittelschicht zu werden. Die Mädchen auf dem Catwalk aber sind oft Friseurinnen, Hauptschülerinnen und Töchter von Migranten, die sich von Heidi und ihrem Dschungelcamp den schnellen Aufstieg ohne lästigere Paukerei erhoffen.

Und da weiß ich dann wirklich nicht mehr, wo ich mit dem Ausräumen der unappetitlichen Schubladen anfangen soll. Versuchen wir´s ganz nüchtern: Erstens haben Mittelschichtskinder heute wahrlich nicht die besten Chancen, Mittelschicht zu werden, da es diese Mittelschicht schon bald nicht mehr geben könnte, wie uns Wirtschaftswissenschaftler desöfteren bedeuten (und ich mir angesichts dieses Artikels fast wünsche). Zweitens – und das dürfte der tiefere Grund dafür sein, dass ich mir Sorgen über Frau Laus Befähigung mache – sind die GNTM-Kandidatinnen beileibe nicht ‚faule Unterschicht‘, im Gegenteil ist die diesjährige Gewinnerin laut Pro Sieben BWL-Studentin (allerdings, das stimmt, mit Migrationshintergrund, und eine solch nicht-deutsche Genese gilt Mariam Lau ja offenbar ebenfalls als Ausweis für Bildungsfaulheit); und sogar eine Stammzellenforscherin befand sich dieses Jahr unter den Top 15. Soll heißen: Da wollte wohl jemand den schnellen journalistischen Aufstieg ohne lästige Paukerei.

Dass „Friseurinnen, Hauptschülerinnen und Töchter von Migranten“ – diese Reihung, die gleichsam nebenbei die Abstammung ins Spiel bringt, muss man sich wirklich mehrmals auf der Zunge zergehen lassen! – oft keine anderen Chancen auf den gesellschaftlichen Aufstieg als per GNTM, DSDS und so weiter haben, weil Ober- und Mittelschicht mithilfe ihrer Bildungsbiopolitik alles daran setzen, sie bloß nicht nach oben durchdringen zu lassen, kommt Mariam Lau gar nicht erst in den Sinn (schon klar: Wer etwas wirklich will, der schafft das auch – da sind sich Klum und Lau vermutlich absolut einig). Besser gesagt: Genau darüber scheint sie sich im Grunde zu freuen. Schließlich sichern einzig solche Aufstiegsblockaden ihrer Tochter auch weiterhin die „besten Chancen“, ebenfalls Mittelschicht zu werden. Die Chance also, auch später zu denjenigen zu gehören, die sich stets so köstlich amüsieren, wenn wieder einmal ein paar „Friseurinnen, Hauptschülerinnen und Töchter von Migranten“ verzweifelt versuchen, sich nach oben casten zu lassen, und daran wieder einmal scheitern, weil: falsche Gene, Pech gehabt.

Das Adjektiv „asozial“ hat laut Duden online übrigens die folgenden Bedeutungen:
1. unfähig zum Leben in der Gemeinschaft, sich nicht in die Gemeinschaft einfügend; am Rand der Gesellschaft lebend
2. (meist abwertend) die Gemeinschaft, Gesellschaft schädigend
3. (umgangssprachlich abwertend) ein niedriges geistiges, kulturelles Niveau aufweisend; ungebildet und ungehobelt

Die dritte Definition hat sich leider durchgesetzt, weil man damit immer die Anderen so wunderbar als selbst schuld brandmarken kann. Ich bevorzuge die zweite, nicht nur weil sie der ursprünglichen Definition näher liegt, sondern auch weil sie hier einfach besser passt. Und da ich eine angeblich linksliberale(!) Zeitung(!), in der solche Artikel erscheinen, nicht mehr im Hause haben mag, werde ich mein Abo zum nächstmöglichen Zeitpunkt kündigen.

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§ 43 Responses to Ich mach‘ mir die Welt widdewidde wie sie mir gefällt"

  • Martin sagt:

    Hm.
    Die Zeit war (oder ist) schon links-liberal, aber entspricht sie eher dem negativen Klischée, das viele Nicht-Linke über Linke haben: Ideologisch vernagelt, weltfremd, unbeweglich und mit naserümpfender Zeigefinger-Überheblichkeit.
    Ich habe mich jedes Mal, wenn ich sie gelesen hatte, über mindestens einen Artikel richtig und richtig lange geärgert.
    Schade.
    Ein bisschen mehr links würde Deutschland nämlich wirklich gut tun. Aber bitte keine von den kulturpessimistischen Birkenstock-Linken, für die jeder Angehörige eines Naturvolkes automatisch weise ist.

  • Martin sagt:

    … die Lücke, welche diese hinterlassen haben, bleibt leider ungefüllt. Auch von der Zeit.

  • […] Katrin Schuster empört sich über einen Artikel von Miriam Lau in der ZEIT und Anna Roth nervt die Art der Frauendarstellung […]

  • Turtle sagt:

    Volker Pispers hat die Zeit mal als „Bravo fuer Abiturienten“ bezeichnet, nach solchen Artikeln weiss man dann auch wieder warum….

  • BenZol sagt:

    Ich finde, die erste Definition (asozial) passt aber besser auf die Einstellung der Mittelschicht, für die Frau Lau hier wohl als neuer Archetypus herhalten muss. Besonders wenn man das Schwinden derselben im Hinterkopf behält.
    „Plötzlich wachst Du auf und bist überhaupt nicht mehr wichtig“, war ein Satz, mit dem meine Oma dereinst dieses Phänomen für sich selbst in Worte kleidete.

  • jonathan ullwer sagt:

    Frau Schuster, was die ideologische Verbretterung der kritisierten Autorin angeht, moechte ich Ihnen recht geben. Ich habe mich beim Lesen ebenso geaergert wie in meinem Vorurteil ggueber Mittelstandsmuttis bestaetigt gefuehlt, wonach die eigenen Sproesslinge um jeden Preis gefoerdert werden sollen, und sei es auf die asoziale Tour.
    Allerdings kann ich Ihre Abokuendigungsankuendigung nicht so gut nachvollziehen, denn immerhin bietet die Zeit mit ihrem Herausgeber Joffe bereits die vollkommene Verbretterung, und das seit Jahren…. :)
    Auch sein neuerlicher Kommentar zum ehem. TM der FDP, zur Silvana, mag zwar gut gemeint sein. Er kommt aber so dermassen verwirrt daher, dass man lieber schnell weiterblaettert.

  • Tom sagt:

    Sehr schön! Autoren, die dieses ausgrenzende Vokabular pflegen, sollte man viel öfter ins Visier nehmen. Bei der Zeit (natürlich nicht nur da) ist diese Schreibe leider Standard.

  • Nadine sagt:

    Seine Kinder so zu erziehen, dass sie wissen, wie man im Leben voran kommt, und dass Schönheit und Geld nicht alles sind, ist eine gute Sache. Und je nach Umfeld des Kindes auch oft nicht einfach. Wenn man dies aber geschafft hat, sollte man auch das Recht haben, stolz darauf zu sein, und auch das Recht, sich klar von anderen Eltern abzugrenzen, die das aus welchen Gründen auch immer nicht geschafft haben. Statt die Autorin anzugreifen sollte man Mittel und Wege finden, diese innere Sicherheit noch viel mehr Kindern zu vermitteln. Aber einfacher ist es immer, zu sagen was alles schief läuft, die Lösung sollen dann aber bitte andere suchen. Wie traurig für die Kinder.

  • katrin sagt:

    @Jonathan: Joffe, klar. Aber der hat mich (aus welchen Gründen auch immer) nie so aufgebracht wie dieser Artikel jetzt. Ich wollte die Abokündigung deswegen auch nicht so dicke machen und erwähnte das erst klein am Ende, weil es so viele Gründe gibt, DIE ZEIT zu kündigen, da haben Sie natürlich recht.

  • AnJu sagt:

    Man muss sich ja nur mal die Mühe machen, bei Wikipedia nachzulesen, was die GNTM-Gewinnerinnen so für Bildungsabschlüsse haben:
    Lena Gercke – Abitur
    Barbara Meier – Mathematikstudentin
    Jennifer Hof – mittlere Reife
    Sara Nuru – Abiturientin
    Alisar Ailabouni – Kellnerin
    Jana Beller – Fachabiturientin
    Außerdem fällt auf, dass in jeder Staffel ab Staffel 2 (für Staffel 1 ist nichts angegeben) mehr als die Hälfte der Mädchen in den Top Ten Schülerinnen und Studentinnen sind. Friseurinnen und Hauptschülerinnen bilden eher eine kleine Gruppe.
    Wenn sich Frau Lau schon nicht die Mühe macht GNTM selbst anzuschauen, dann sollte sie sich wenigstens mal die Mühe machen, bei wikipedia nachzulesen, auch wenn das vielleicht keine sichere Zitatquelle ist.

  • Frau Lau lästert doch nur über die GNTM-Teilnehmerinnen weil ihre Tochter nicht mal halb so gut aussieht (die Gene!). – Deshalb darf sie das Format auch sehen, sie hätte ja sowieso keine Chance wenn sie sich bewerben würde.
    – Ist dieser Kommentar jetzt eigentlich asozial? Und wenn ja, in welcher Definition? Und warum machen die sich bei GNTM nie richtig nackig? – Ich finde, DAS ist die wichtigste Frage überhaupt!!

  • katrin sagt:

    @Heiner: Da Du ebenfalls biologisch argumentierst, würde ich sagen: Ja, das ist auch asozial. Aber nichts anderes wolltest Du ja hören, oder? 😉
    Zudem tragen Beleidigungen auf dem Niveau nunmal selten zur Sache bei.

  • Bassa sagt:

    @Nadine:
    Das ist zumindest teilweise richtig. Ja, es ist gut, wenn man seine Kinder zu einem gewissen Selbstbewußtsein erzogen hat. Aber warum abgrenzen und niedermachen? Es geht ja nicht darum, dass man so tun soll, als hätte man nichts geschafft, sondern dass man es nicht auf Kosten anderer machen sollte.
    Und je nach Umfeld ist es nicht nur schwierig sondern geradezu unmöglich und Leute, die einem das noch ständig unter die Nase reiben, tragen ihr Übriges dazu bei.

    „Die Autorin“ sucht nicht Mittel und Wege, anderen zu helfen, sondern ganz im Gegenteil. Sie versucht, andere so niederzumachen, dass sie Mittel und Wege nicht finden oder nutzen. Und da gehört es zur Hilfe, solchen Leuten Einhalt zu gebieten.
    Alles andere ist in der Tat traurig für die Kinder.

  • teekay sagt:

    Danke fuer den interessanten Beitrag. Was Miriam Lau ihren Lesern, aber wahrscheinlich nicht ihrer Tochter, verschweigt, ist, dass sie in der Lage ist als intelligente Journalistin GNT zu ‚demaskieren‘. Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie Castings fuer ‚bare Muenze‘ genommen werden: Da bewerben sich x-tausend Maedels und die ‚beste‘ gewinnt. Es gibt bei Pro7 eine Redaktion mit intelligenten Mittelstandsleuten die sorgfaeltig und ueberlegt Bilder produzieren. Es gibt dann lange Diskussionen wie man z.B. die huebsche, aber zickige, halb-tuerkische Frieseuse aufbaut oder demontiert-und das passiert doch nicht auf dem Laufsteg. Medienkompetenz, kritischer Umgang mit Fernsehen und Bildern und das Wissen, wie die Kulturindustrie funktioniert sind letztlich die Fertigkeiten die Mutter Lau an ihrer Tochter vermitteln kann und die der Tochter einen ‚Wettbewerbsvorteil‘ garantieren. Das schreibt sie natuerlich nicht auf, sondern versteckt sich hinter dem ‚meine Tochter ist selbstbewusst‘ Quatsch. Ob nun schlecht recherchiert oder nicht, die unreflektierte Uebernahme von Medienklischees alleine rechtfertig schon, dass man in Zukunft auf die ZEIT-Webseite fuer umsonst zurueckgreifen sollte…

  • katrin sagt:

    Nur mal so als Hinweis: Frau Lau heißt Mariam mit Vornamen, nicht Miriam.

  • Maggi sagt:

    Tiefenpsychologisch ziemlich interessant ist übrigens, dass Mariam Lau selbst eine dieser „Töchter von Migranten“ ist… Wobei natürlich ihre Geschichte schon anders ist als die von pakistanischen oder bosnischen Mädchen aus dem Wedding: Sie ist die Tochter eines Professors. Aber trotzdem eben Migrantenkind.

    Und ihre Mittelschichtstochter ist die Tochter eines Migrantenkinds.

    Wie kann jemand, der selber mindestens Halbiranerin ist (vielleicht auch mehr, keine Ahnung, welche Nationalität ihre Mutter hatte), dermaßen abfällig auf Migranten heruntergucken und eine so dermaßen konservativ-spießige Über-Deutsche werden? Brrrr….

  • Dreyfus sagt:

    Ich teile Frau Laus Einschätzung der GNTM-Kandidatinnen sehr wohl, obwohl ich es seltsam finde, dass sie als Frau mit Migrationshintergrund andere Menschen mit Migrationshintergrund angreift (das ist entweder Masochismus oder Angeberei, da sie sich ja scheinbar als Ausnahme der Regel betrachtet).

    Dass die bisherigen Gewinnerinnen oftmals „sogar“ Studentinnen sind, spricht nicht für ihr „hohes“ Bildungsniveau, sondern zeigt, wer in Deutschland mittlerweile Abitur machen darf: jede/r. Und auch an der Uni darf man sich folgerichtig einschreiben.

    Ihr „Zeit“-Abo würde ich auch schleunigst kündigen, Frau Schuster. Seit di Lorenzo übernommen hat, ist diese Zeitung noch weichgespülter und konturloser, als sie es vorher schon war.

  • katrin sagt:

    Bis gerade eben habe ich mich ehrlich gefreut, dass alle Kommentare hier auf ihre Weise etwas Interessantes beizutragen haben. Und nun lese ich auf Twitter, dass mein Text unter einer völlig falschen Behauptung verlinkt wird. Und das ärgert mich dann wieder maßlos: http://twitter.com/#!/search/http%3A%2F%2Fwong.to%2Fjal49.
    Genau das habe ich nämlich nicht gesagt. Und würde ich auch niemals sagen.

  • Rosenkranz007 sagt:

    Ich fürchte, genau daß sind die brunnenvergiftenden Effekte der Sarrazin-Debatte. Danach erscheint es auch einer ZEIT-Journalistin ohne weiteres salonfähig, „Friseurinnen, Hauptschülerinnen und Töchter von Migranten“ mehr oder minder deutlich – und auf ekelhafte Weise selbstwertsteigernd – unter dem Rubrum „Gosse, nutzlos, bestenfalls der Erheiterung dienend“ zusammenzufassen. Vielleicht würde sich Frau Lau (?) mitsamst ihrer Tochter auch daran delektieren, wenn derart Diskriminierte unter Androhung von Prügel wieder mit der Zahnbürste den Rinnstein säubern müßten…

  • katrin sagt:

    @Rosenkranz: Lass uns bitte sachlich bleiben, polemische Vielleicht-Vermutungen sind selten dienlich und in den meisten Fällen einfach nur falsch. Soll heißen: Nein, das würde sie sicherlich nicht.

  • Honk Awazz sagt:

    Die Vorlage für Polemik haben leider Sie, Frau Schuster, geliefert, indem Sie Ihrer schon länger vorhandenen Abneigung gegenüber Frau Lau freien Lauf ließen.

  • katrin sagt:

    @Honk Awazz
    Die Erwähnung der Vorgeschichte sollte eigentlich gerade das Gegenteil bewirken: dass mir nachher nicht vorgeworfen wird, dass ich meine FREITAG-Kritik unerwähnt gelassen habe. Und: Ich kenne Mariam Lau nicht und hege deshalb auch keine persönliche Abneigung gegen sie (ihr öffentliches Auftreten war mir nur einfach unsympathisch). Ich hege einzig und allein eine Abneigung gegen den oben erwähnten Text wegen der oben erwähnten Gründe.

  • Honk Awazz sagt:

    Ein belangloser Artikel von Frau Lau über ein belangloses Thema. Was soll die künstliche Aufregung darüber, Frau Schuster? Sie hätten die „schlimmen“ Sätze auch ohne Hinweis auf die Autorin kritisieren können. Ebenso überflüssig war Ihre Abhandlung über das Wort „asozial“. Das erscheint in dem Zeit-Artikel überhaupt nicht.
    Immerhin haben Sie es mit Ihrer Polemik in die „6 vor 9“-Kolumne des Bildblogs geschafft. Vielleicht kommen Sie demnächst auch „ins Fernsehen“ wie Frau Lau (meistens leider nur „Phoenix“).

  • Rosenkranz007 sagt:

    Polemisch sind immer die anderen. Das würde auch Frau Lau unterschreiben. Was mich abstößt, ist diese pseudoschlaue Spießbürgerideologie nach dem Motto: okay, da ist vielleicht ein Problem, da könnte die menschliche Würde auf dem TV-Altar verhökert werden, aber solange es mich/mein Töchterlein (da ach so mittelschichtig/akademisch/scharfsinnig) nicht betrifft… Und ganz im Gegenteil, UNSERE Lebenschancen steigen, wenn dort andere verheizt werden… Und überhaupt, diese Migrantentöchter, Friseurinnen, brrrr…
    Man muß kein Historiker sein, um dieses Denkmuster zu erkennen und zu verabscheuen. Tja, und daß dies heutzutage in der „Zeit“ stehen darf, verblüfft schon. Daß es sonst niemanden zu kümmern scheint, auch.

  • katrin sagt:

    @Honk Awazz: Ach, darum geht´s. Dass ich mein Blog nur betreibe, weil ich nach Popularität giere, ist allerdings kein neuer Vorwurf, da müssen Sie sich hinten anstellen, tut mir leid. (Siehe auch: http://www.katrinschuster.de/2011/02/02/das-grose-misstrauen/)

  • Amira sagt:

    Leider finde ich den Artikel nirgends im www, was ich sehr schade finde, da ich ungern aus dem Kontext Herausgerissenes beurteilen will.
    Da – wie richtig angemerkt – Frau Lau selbst auch Migrantin ist (nicht nur Migrantenkind, denn sie ist ebenfalls in Teheran geboren), mag ich es kaum glauben, dass sie tatsächlich in dieser Lesart gehetzt haben soll.
    Ich will nicht von angeborener Immunität sprechen, aber ich habe trotzdem immer die kleine Hoffnung, das Betroffene nicht ganz so verstrahlt argumentieren, wie Ignoranten, die keinerlei Bezug zu dem Thema haben.
    Deshalb möchte ich angesichts des kleinen Ausschnitts darauf hindeuten, dass es auch eine andere Lesart geben kann. Vielleicht kritisiert Frau Lau die Zustände ja indirekt und ihre Aussage, dass es ihr Kind automatisch zu etwas bringen wird, könnte man auch als versteckte Ironie werten. So gesehen will sie klar machen, dass gerade Migrantenkinder oft von einem schnellen Aufstieg träumen, da er ihnen über unser Schulsystem fast immer versperrt bleibt.
    Es wäre wohl noch immer eine Verzerrung der Tatsachen, wenn man behauptet, dass gerade Migrantenkinder sich eine solche Plattform wie GNTM suchen. Trotzdem kann man ihre Worte auch halbwegs positiv auslegen (als Kritik am herrschenden System), wenn man nur diesen kleinen Ausschnitt betrachtet. Ich würde deshalb um den kompletten Artikel (Link) bitten wollen, da ich mir nur so ein vollständiges Bild machen kann.

    Zur Zeit: Sie ist für mich schon lange nicht mehr kaufbar, da ich mich spätestens beim Leitkommentar meist furchtbar aufrege. Ein Abo erscheint mir selbst ohne verwirrtes Bla Bla im Feuilleton schon lange als Geldverschwendung. Falls ich doch mal den Drang verspüre, die Zeit zu lesen, greife ich lieber auf das bisher kostenlose Online-Angebot zurück.

    Liebe Grüße vom Migrantenkind der Stunde….

  • katrin sagt:

    @Amira: Völlig richtiger Hinweis. Es ist natürlich immer möglich, dass ich etwas falsch interpretiere, aber Ironie kann ich in Mariam Laus Text tatsächlich keine entdecken; wenn, dann ist sie ziemlich gut versteckt. Leider steht der Artikel (zumindest bislang) nicht online – und leider ist es urheberrechtlich auch untersagt, ihn hier vollständig abzudrucken/zu zitieren.

  • katrin sagt:

    Ich halte den hier bereits mehrfach erfolgten Hinweis auf die Herkunft der Autorin im Übrigen für unangebracht bzw. nicht dienlich. Weil er ebenfalls biologistisch argumentiert: Als ob die Gene einen in gewissen Dingen schlauer machten…

  • Jokort sagt:

    Wissen Sie, ich dachte früher genauso, alle Hauptschüler sind dämlich, schauen solche Sendungen etc. Bis ich immer wieder was anderes erlebt habe, Freunde meines Bruders (Studenten) unterhielten sich über sogenanntes „Unterklassen“ Fernsehen wie GNT ganz ernst, genauso wie die Hauptschülerinnen und dann war ich bei einer Freundin zu Besuch, Tochter -> Hauptschule, und wissen Sie, Sie verhielt sich nicht anders als die Studenten, Kritisierte, redete und so weiter, alle meine Vorurteile über die Deutsche Gesellschaft und diesen ganzen Klassen wahn, Unterklasse, Mittelklasse, Hauptschule, Realschule, Gymnasium, wurden über den haufen gewurden, durch meine Erfahrungen in den letzten Jahren. Man verzeihe mir die Rechtschreibfehler.
    TL;DR
    Wissen Sie, ich glaube Leute die kaum aus ihrer Nussschale rauskommen, die nur Freunde haben die mit Ihnen auf einer „Stufe“ stehen, das sind die Leute, die wirklich keine Ahnung haben wie die Welt wirklich aussieht. Leider lesen unsere Politiker „Bild“ und glauben dass das die Meinung des Volkes ist : /

  • Marcel sagt:

    Liebe Frau Schuster,
    ich teile Ihre Abneigung gegen den Artikel, plädiere aber für eine andereReaktion als die Kündigung des Abos. Einfach weggehen wenn einem etwas nicht gefällt kann ja auch keine Lösung sein, der Diskurs, optimalerweise hier und öffentlich ist das aus meiner Sicht bessere Mittel

  • axisofjustice sagt:

    Der Diskurs kann ja auch weiterhin stattfinden, schließlich gibt es auf Zeit Online genug Kritikwürdiges.

  • Wer „unten“ ist, muss faul sein. Migranten sind in westlichen Gesellschaften unten. Also liegt irgendwas in ihrem Wesen, das sie zu schlechteren Menschen macht. Das ist die Gedankenkette, die hinter dem „Denken“ von Lau steht. Das ist typisch liberal. Daran kann man sehr gut sehen, dass Liberalismus letztendlich rassistisch ist.

  • […] morgen las ich diesen Artikel von Katrin Schuster, die sich berechtigterweise über die rassistischen wie klassistischen/sozial- und […]

  • Habib sagt:

    Der Artikel von Frau Lau disqualifiziert sich schon dadurch, dass sie nicht in der Lage ist, die Mechanismen hinter derartigen Formaten zu durchschauen und dass sie die dort propagierten Klischee Bilder für bahre Münze nimmt. Vermutlich sieht sie auch in RTL Doku Soaps einen Beleg für Guido W.´s Geblubber von spätrömischer Dekadenz. Ihrer Tochter kann man nur wünschen über mehr Medienkompetenz zu verfügen.

    Gleichzeitig ist Frau Lau ein schöner Beweis dafür, wie die Meinungsmache Neo libertärer Ausrichtung Wirkung zeigt. Die Zeit ist ja auch Neo Liberal (nicht links leberal), von daher ist der Artikel dort richtig aufgehoben.

    Was wir hier erleben, ist ein pervertierter Klassenkampf, nämlich nicht „Unten vs. Oben“, sondern „Mittelstand/Unten vs. ganz unten“. Das Ziel ist klar: Wer nach unten hackt, kann nicht gleichzeitig nach oben hacken. Die wahren Asozialen können so ungehindert ihre Ziele verfolgen, während sich das Fußvolk selbst zerfleischt.

  • foobar sagt:

    kann man eigentlich immer wieder nur monty jacobs zitieren: „meine herren! in diesem lande ironie IMMER in anführungszeichen!“
    aber wer geliebte ressentiments pflegen will, wird sich vermutlich auch davon nicht aufhalten lassen …

  • Lena sagt:

    Der Artikel von Frau Lau hat mich derartig aufgeregt, dass ich ihn sogar gegoogelt habe. Sowas kann man doch nicht im Ernst abdrucken? Diese „Oh Gott, also mit sowas wollen wir ja gar nichts zu tun haben“-Einstellung ist einfach asozial. Es ist ausgrenzend und untermauert diese furchtbare „Wir“ und „Die Andern“-Mentalität. Da wird die traurige Realität, dass in Deutschland der soziale Status vererbt wird, auch noch bejubelt! Einmal Mittelschicht, immer Mittelschicht – und mit den „Anderen“ will man bloss nichts zu tun haben.

    Es wird allen Ernstes unterstellt, Friseurinnen, Hauptschüler UND Migrantentöchter (und zwar anscheinend alle, hier spielt der Mittelschichtshintergrund wohl keine entscheidende Rolle) seien schlicht und ergreifend faul. Sie wollen was „ohne lästige Paukerei“ erreichen.
    Gleichzeitig hat die kleine Anna das Glück (und zwar allein durch ihre Geburt) ein Mittelschichtskind zu sein, das, sofern es unter seinesgleichen weilt „die besten Aussichten (hat), selbst auch wieder Mittelschicht zu werden“ – durch den Bildungshintergrund ihrer Eltern wohl zum Glück auch ohne viel lästige Paukerei!

    Dieser Artikel von Mariam Lau ist einfach eine Unverschämtheit – und ich finde es wichtig, so etwas anzusprechen & zu kritisieren und nicht einfach hinzunehmen, als wäre es normal, sich einfach auf dem Sozialstatus seiner Eltern auszuruhen und sich vom Rest der Gesellschaft mit einer „Wir sind was besseres“-Mentalität abzugrenzen.

  • accalmie sagt:

    Weißer Alphamädchen-Feminismus, wieder und wieder… ::eyeroll::

  • pokalfinal sagt:

    Der Artikel strotzt von Unterstellungen, Voruteilen und unzulässigen Interpretationen.

    (der Blogartikel)

  • […] Topmodel sehen dürfe. Die Journalistin Katrin Schuster hat sich über diesen Text sehr geärgert und auch gleich aufgeschrieben, […]

  • […] Bei Journalistin Katrin Schuster führte Laus Text zu dem Entschluss, ihr Abo der Wochenzeitung zu kündigen. Pointiert erklärt sie ihren Ärger in Ich mach mir die Welt widdewidde wie sie mir gefällt. […]

  • Nick sagt:

    Die ZEIT war schon immer ein Medium der gehobenen Mittelschicht, insofern passt der Artikel von Lau perfekt hinein. Allerdings war die ZEIT nie linksliberal. Sicher wird sich ein Teil der Leser und auch der Macher der ZEIT selbst als linksliberal bezeichnen. Leider liegen diese Menschen in Ihrer politischen Selbsteinschätzung meist etwas daneben. Tatsächlich sind sie eher gemäßigt konservativ. Sich als konservativ zu bezeichnen, gilt aber in diesen Teilen des Bildungsbürgertums nicht als chic, weswegen man sich gerne in die Tasche lügt und Progressivität heuchelt.

  • […] morgen las ich diesen Artikel von Katrin Schuster, die sich berechtigterweise über die rassistischen wie klassistischen/sozial- und […]

  • […] Katrin Schuster empört sich über einen Artikel von Miriam Lau in der ZEIT und Anne Roth nervt die Art der Frauendarstellung […]

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