Meine zweite Waschmaschine
Oder: Bauknecht ist jetzt Whirlpool

April 24th, 2014 § 4 comments

Gerade als wir dachten, es erfolgreich ignorieren zu können, dass unsere Waschmaschine ganz zweifellos gefährlich klingende Geräusche machte, krachte es irgendwo in ihrem Inneren zweimal scharf und metallisch. Ich drückte hysterisch den Stopp-Knopf. Ich zog den Stecker, und damit war das Ende der Bauknecht besiegelt. Ihr Leben war kein schlechtes, auch wenn es damit begann, dass ich sie gleich bei ihrem ersten Lauf fürchterlich demütigte, indem ich vergaß, zuvor die Feststellschrauben zu entfernen. In jeder weiteren Version, die F. von dieser Geschichte erzählt, hüpft die Bauknecht noch höher (spätestens beim überübernächsten Mal wird F.´s Hand in Kopfhöhe deuten) und bedrohlicher durch unser kleines Bad. Bedienungsanleitungen sind nunmal nicht mein Ding, schon nach dem ersten Halbsatz schaltet mein Gehirn einfach ab und ich bekomme es nicht mehr in Gang, solange ich solch ein Papier in Händen halte. Gleiches gilt für Handytarife, Verträge und ähnliche bürokratische Prosa: Das sind derart langweilige Texte, dass ich sie schlichtweg nicht verstehe. Wegen eben dieser widerwilligen Unfähigkeit habe ich auch die Suche nach dem preiswertesten Waschmaschinenmodell schnell wieder aufgegeben – die Frage reduzierte sich folglich auf einen Gegensatz, dessen Ungegensätzlichkeit als typisches Merkmal unsere Tage gelten darf, nämlich auf: Mediamarkt oder Saturn? Auch die Antwort ist vermutlich ziemlich zeitgemäß: Mediamarkt, weil der ist näher. Und am besten wieder eine Bauknecht, denn die mochte ich irgendwie, und im Grunde sind ja eh alle Marken dasselbe.

Als Frau in einer Waschmaschinen-Abteilung ist man ein doppeltes Objekt der Begierde: einerseits von einkaufenden Männern, weil Waschmaschinen zu den wenigen technischen Gerät gehören, mit denen umzugehen – so die Unterstellung – Frauen gewohnter und also erfahrener sind (während Spülmaschinen lieber von Männern adoptiert werden, warum auch immer); und andererseits von Verkäufern, die mittels desselben Klischees ein Gespräch auf Augenhöhe inszenieren, allerdings ohne mit einem weiteren ‚männlichen‘ Technikverständnis konkurrieren zu müssen. Vor beidem habe ich mich ein wenig gefürchtet, denn tatsächlich haben Waschmaschinen keine besonders guten Erfahrungen mit mir, und zudem habe ich in meinem Leben noch nie eine Waschmaschine gekauft (die erste war ein Geschenk meiner Eltern, vor immerhin 12 Jahren), weshalb ich mich für durchaus anfällig für die Vorführung ‚männlichen‘ Technikverständnisses hielt.

Der Verkäufer ließ im Mediamarkt auch nicht lange auf sich warten. Allein, das war gar kein Verkäufer, sondern ein Vertreter von Samsung, der mich also gar nicht beraten, sondern mir bloß eine Samsung-Maschine verkaufen wollte. Ich weiß nicht, ob es mittlerweile zum Usus gehört, dass neben (mehr oder weniger) unabhängigen Verkäufern, deren Rat wenigstens ich in Waschmaschinenangelegenheiten unbedingt bedarf, auch Unternehmensabgesandte auf Kunden losgelassen werden, um ganz gezielt zu desinformieren. Mir war der Samsung-Mann schon vorher aufgefallen, und mir war auch aufgefallen, dass er mich ins Visier genommen hatte, weshalb ich ihn auf seine nette Frage, ob er mir helfen dürfe, gleich auf seine Samsung-Zugehörigkeit angesprochen habe. Auch habe ich ihm sofort, vermutlich etwas überfallartig, eröffnet, dass ich auf keinen Fall ein Samsung-Produkt erwerben würde, weil ich damit wiederholt schlechte Erfahrungen gemacht hatte (Mobiltelefon und Laptop). Da zog er die Technikkarte: Na, wenn ich mich auf derart subjektive Erlebnisse verließe und von Fakten nichts wissen wolle, dringe er mit seinem Expertenwissen natürlich nicht durch … Ich ließ ihn also sein Expertenwissen anhand eines Vergleichs zweier Trommeln – ich habe die Fachbegriffe vergessen, pardon, und warum die eine besser sein sollte, als die andere, weiß ich auch nicht mehr – demonstrieren und entließ ihn, da er sein nächstes Opfer bereits ausgemacht hatte.

Doch auch dieser Käufer ließ sich offensichtlich nicht für dumm verkaufen, weshalb wir beide endlich ohne den Samsung-Mann dastanden und uns gegenseitig berieten (seine Siemens hat 20 Jahre gehalten!). Dann kam eine Verkäuferin, der ich sogleich meine vermeintliche Entschiedenheit für Bauknecht kundtat. Dann der Schock: „Bauknecht ist jetzt Whirlpool“, sagte sie (nein, eigentlich sagte sie: „Bauknecht ist jetzt Wörlpuhl“). Und nun? „AEG“, sagte sie, zeigte uns eine Maschine, beriet uns – und hatte in nicht einmal fünf Minuten zwei Maschinen verkauft (der Samsung-Mann war nach fünf Minuten noch nicht einmal zu seinem Trommelvergleich gekommen) – vermutlich zu ihrer Überraschung, weil sie den anderen Käufer und mich wohl anfangs für ein Paar gehalten hatte, da wir nett beisammen standen und plauderten. Der AEG-Co-Käufer wohnt, wie wir beim quasi parallelen Ausfüllen der Bestellzettel feststellten, nur ein paar Häuser weiter. Dass wir uns noch nie gesehen haben, mag in Berlin normal sein, aber sicher nicht in München. Und vielleicht ist das das eigentlich Zeitgemäße an dieser Geschichte: Dass nun Keine-Samsung unbekannterweise gleich doppelt in derselben Straße steht.

Facebook Like

§ 4 Responses to Meine zweite Waschmaschine
Oder: Bauknecht ist jetzt Whirlpool
"

  • Uwe sagt:

    Bauknecht gehört schon lange zu Whirlpool, aber als Marke gibt es Bauknecht natürlich immer noch. Auch die Qualität hat nach meiner Erfahrung nicht gelitten, auch wenn heutzutage nicht mehr in Deutschland produziert wird. Aber da gehen andere große Marken ja mittlerweile nicht anders vor und haben ihre Produktionsstandorte verlegt. Dass Samsung Vertreter bei Media Markt beraten, ist aber wirklich seltsam. Samsung ist im Bereich der Waschmaschinen halt nicht so gefragt, wie in der Sparte TV und Handy und versucht wohl mit verschiedenen Mitteln, sich auch in diesem Bereich einen Namen zu machen.

  • fragonski sagt:

    hi,

    läuft die wörlpuhl denn noch? das netz ist voll mit bösen berichten..

  • Uta Rupprecht sagt:

    Made my day, deine Waschmaschinen-Geschichte. Bei solchen Anekdoten fallen mir immer gleich eigene abstruse Erlebnisse mit Waschmaschinen ein, und ich hätte gern jemanden in der Nähe, den ich damit zuschwallen kann (und ein Glas Rotwein).

    Ich bin heute erst auf deinen Blog gestoßen, der Link rüber vom „Klappentext“ macht übrigens Seltsames mit den Umlauten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *