“Für uns war der Krieg nicht zu Ende”: Zu Unrecht übersehene Bücher I

Januar 22nd, 2010 § 1

Ein Vorurteil über Literaturkritiker lautet ja, dass sie von Büchern im Grunde längst genug haben. Das stimmt natürlich nicht. Oder nur in ganz wenigen Fällen, und selbst dann ist es oft bloß Koketterie. Nie vergessen werde ich die Szene, als ich Sabine Vogel – sozusagen eine meiner Chefinnen, da Literaturredakteurin bei der Berliner Zeitung – in Berlin besuchte. Sie hatte schon gesagt, ich solle am besten mehrere Tüten oder Taschen mitbringen, was ich dann aber zu sehen bekam, übertraf doch alle Erwartungen (Befürchtungen?): In dem nicht gerade groß zu nennenden Büro (der Blick von außen auf das Haus am Alexanderplatz trügt nicht) war tatsächlich nirgendwo mehr Platz. Die Bücher standen nicht nur in allen Regalen und türmten sich nicht nur auf dem Schreibtisch, sondern belegten stapelweise auch beinahe den kompletten Fußboden. Und wie bestellt kam dann die Sekretärin mit einer weiteren Lieferung von wohl noch einmal 50 Neuerscheinungen. Gemeinsam sortierten wir ein wenig, und tatsächlich machte ich mich schwerst bepackt auf den Heimweg (nachdem wir über nichts anderes als Bücher gesprochen hatten, wie schön!). Doch ich komme ab vom Thema.

Was ich eigentlich sagen wollte: Tatsächlich bekommen Literaturkritiker viel mehr Bücher, als sie jemals lesen können (zumindest, was mich betrifft) geschenkt. Und dennoch stöbern sie weiterhin gerne in Buchhandlungen (zumindest, was mich betrifft). Niemals gekauft hätte ich mir allerdings die Reportagensammlung “Die Nacht von Wildenhagen” von Wlodzimierz Nowak. Dafür sind mehrere Faktoren verantwortlich. Erstens: Eichborn gehört nicht gerade zu meinen Lieblingsverlagen (wie etwa Droschl, Verbrecher oder Bilger, von denen ich quasi alles blind kaufen würde); ob das nun mit der Qualität oder einfach nur Geschmack zu tun hat, lassen wir hier mal dahin gestellt. Zweitens (zurück zu Nowak): Der Untertitel des Buchs “Zwölf deutsch-polnische Schicksale” reizt mich ebenfalls so überhaupt nicht; ich bin wohl etwas allergisch auf das Wort “Schicksal”. Drittens: Bei der Biografie von Nowak auf dem Umschlag der Buchs wird eher umwegig die Brücke zu Ryszard Kapuscinski geschlagen, und sowas nervt mich grundsätzlich: wenn die Texter solcher Texte nicht die Eigenarten des Autors herausstellen, sondern sich mit Analogien behelfen oder gar Testimonials bemühen, die darüber nicht einmal Bescheid wissen.
Exkurs: Ganz großartig ist in diesem Sinne das Zitat auf der Rückseite des völlig unbekannten (und von mir auch noch nicht gelesenen) Romans “Hohlkörper” von Robert Mattheis. Da steht nämlich:

“Ein knackiges Pressezitat? Was genau stellst du dir denn unter einem knackigen Pressezitat vor, Robert?” Maik Brüggemeyer, Rolling Stone

Und: Kaum weniger als solche brüchigen Brückenschlägereien finde ich die Kritiken, die vor allem ex negativo argumentieren, mir also erst einmal erklären, was das Buch nicht ist (kitschig/pathetisch/schwer etc.). Das passiert mir selbst leider auch oft genug, ich bemühe mich aber ehrlich, es zu vermeiden.
Zurück zur “Nacht aus Wildenhagen”, das ich also nicht gekauft habe, sondern für den KLAPPENTEXT als Rezensionsexemplar bestellt habe und dadurch glücklicherweise eines Besseren belehrt wurd: Das ist ehrlich großartig. Das große Thema von Nowaks Reportagen ist, wie der Zweite Weltkrieg die Genealogien für Jahrzehnte in Unordnung brachte, wie er an Biografien mitschrieb und auch heute noch mitschreibt. Nowak erzählt von Schleppern und Opelanern, von 18-jährigen SS-Soldaten und “arisierten” polnischen Mädchen, von glückenden und weniger glückenden Verständigungen zwischen Diesseits und Jenseits der Oder-Neiße-Grenze. Und das mit eben jener journalistischen Lakonie, die die zeitgenössische Literatur leider viel zu oft zu kopieren sucht, um´s ein bisschen authentisch klingen zu lassen. Bei Nowak ist es das in jedem Fall: authentisch.

Anschauen!

Januar 13th, 2010 § 0

KDD, 3. Staffel, erste Folge.
Wer die ersten beiden Staffeln gesehen hat, den wird´s freilich bei den ersten Tönen schon erfassen. Wer nicht, für den gibt es am Anfang die Zusammenfassung des Was-bisher-geschah.

Das Publikum will es so!

Januar 11th, 2010 § 0

Was mich ja immer wieder erstaunt: Wie viele Menschen in den Medien arbeiten, obwohl sie das, was sie da gerade tun, nicht besonders gern zu mögen scheinen. Oder wenigstens für ziemlich bescheuert halten. Tucholsky hat das mal so schön auf den Reim gebracht:

O hochverehrtes Publikum,
sag mal: Bist du wirklich so dumm,
wie uns das an allen Tagen
alle Unternehmer sagen?
Jeder Direktor mit dickem Popo
spricht: “Das Publikum will es so!”
Jeder Filmfritze sagt: “Was soll ich machen?
Das Publikum wünscht diese zuckrigen Sachen!”
Jeder Verleger zuckt die Achseln und spricht:
“Gute Bücher gehn eben nicht!”

Und was soll man sagen: Genau so ist kommt es mir wirklich vor.
Der erste Fall, der Unternehmer interessiert mich von den Dreien noch am wenigstens. Der zweite Fall, der Filmfritze, aus verständlichen Gründen dann doch schon mehr. Die Presse hat dafür eine oftmals eher peinliche Lösung gefunden: Über schlechte Kinofilme wird meistens gar nicht erst berichtet, über schlechte TV-Produktionen macht man sich meistens ironisch lustig – offenbar im Bewusstsein, dass man daran ohnehin nichts ändern kann.
Der dritte Fall wiederum, der Verleger, geht mir dagegen ehrlich an die Nieren. Das mag keine intellektuelle Berechtigung haben, sondern in rein persönlichen Vorlieben begründet sein, weil mir Bücher eben doch noch ein wenig näher am Herzen liegen als das Fernsehen (das im Gegenzug definitiv das kulturell spannendere Medium darstellt, aktuell zumindest).
Die Verlage, die sich nurmehr über Wasser halten können, indem sie Nicht-Bücher produzieren – und damit meine ich keinesfalls die Schmonzetten, sondern die so genannten “Geschenkbücher” (allein das Wort schon!) sowie jene so genannten “Ratgeber”, die nichts anderes als strukturierte Volksverdummung darstellen – diese Verlage werden immer mehr. Nun mag der Rationalist gerne kommen und mich darauf hinweisen, dass Verlage eben privatwirtschaftlich organisiert werden und also sehen müssen, wo sie bleiben. Danke, ist mir auch klar. Ich trauere trotzdem.
Noch schlimmer finde ich manchmal allerdings – womit wir dann doch beim Publikum wären -, dass diese Bücher tatsächlich in Massen gekauft werden (was nur niemandem auffällt, weil man sie nicht in die Bestsellerlisten lässt). Vor allem jene Bücher, die irgendwelches krudes (meist auch noch in fürchterlichem Deutsch verfasstes) Zeug von der Geheimwissenschaft, der Erleuchtung und dem Anderen Wissen quacksalbern. Da erzählt den Lesern einer etwas von unterdrückten Wahrheiten und dem bösen gesellschaftlichen Mainstream, der dagegen mit übelsten Mitteln ankämpfe – und diese Leser merken gar nicht, dass sie gerade ordentlich verschaukelt werden; dass sie gerade fröhlich mittenmang mitpaddeln im Mainstream. Dabei könnte man darauf ganz einfach kommen: Man müsste nur auf das Verlagslogo gucken und würde dann umgehend feststellen, dass der Anti-Mainstream gerade mächtig Mainstream ist (oder zählt man Bertelsmann, Heyne und ähnliche etwa neuerdings nicht mehr dazu?). Will es das Publikum also wirklich nicht anders?
Ich glaube, es war Robert Menasse, der jüngst mal wieder darauf hinwies, dass mit Dummen keine Demokratie zu machen ist.

Macht Finanzjournalismus paranoid?

Januar 8th, 2010 § 0

Man könnt´s jedenfalls fast meinen angesichts dieses und jenes Falls.
Anmerkung am Rande: Ich habe ja ehrlich tiefste Hochachtung davor, dass Hagalil immer noch Kommentare zulässt trotz der Gefahr, dass das Forum am Ende noch für darin enthaltene Inhalte haftbar gemacht werden könnte.
Zweite Anmerkung am Rande: Um den zweiten, den Focus-Money-Fall, geht es auch in meinem heutigen Altpapier (am Rande, klar).

Automatischer Stallone

Januar 6th, 2010 § 0

Es ist nun ziemlich genau ein Jahr her, dass meine Kollegen und ich unser letztes “Altpapier” bei der Netzeitung veröffentlichten. Dass es mit dieser ersten aller reinen Onlinezeitungen vermutlich kein besonders schönes Ende nehmen würde, ahnte man da natürlich längst. Seit ein paar Tagen gibt es dort nun gar keine Redakteure mehr, der Nachrichtenbetrieb wurde automatisiert, die Redakteure eingespart. Auf netzeitung.de erfährt man davon jedoch nichts, der Abschiedsbrief der Redakteurinnen und Redakteure wurde offensichtlich aus dem Archiv entfernt und ist also nurmehr im Google-Cache vorhanden. Ist ja auch wirklich nicht die Art von Historie auf die man stolz sein kann, klar.
[Update: Nun stimmt nicht einmal mehr der Cache-Link, auf der Seite www.netz-zeitung.de/ueberuns/ ist er zwar noch gelistet, ein Klick darauf führt allerdings auf einen Text von 2001, der damit so gar nichts zu tun hat - oder doch?]
Nun gehörte die Netzeitung schon länger nicht mehr zu jenen Seiten, die ich morgens als erste ansteuerte – eben weil es mehr und mehr am eigenen Inhalt mangelte -, sodass ich beinahe schon geneigt war anzunehmen, dass ihr die Automatisierung nicht mehr viel anhaben könnte. Bevor ich sie heute von meiner Lesezeichenliste entfernen wollte, klickte ich aber doch noch einmal vorbei.
Und siehe da – die Automatisierung hat einen ganz und gar herrlichen Effekt! Unter der Überschrift “Kultur” (die Gänsefüßchen gehören da unbedingt hin) zum Beispiel findet man Nachrichten, die diesen Plural eigentlich gar nicht verdient haben:
stallone
Immerhin dafür ist netzeitung.de also weiterhin zu gebrauchten: Auf derart eindrückliche Weise hat bislang, glaube ich, noch keine Website die Uniformität unserer Onlinenachrichtenmedien demonstriert.

Die Korrekturen I

Dezember 30th, 2009 § 0

Die SZ schreibt heute über Britt Hagedorn, und in diesem Text findet sich der Halbsatz: “Zehn Jahre nachdem der Talkshowboom 1999 seinen Zenith erreicht (und dann auch ziemlich bald überschritten) hatte”.
Was will uns die Autorin damit bloß sagen? Meint sie mit “Zenith” womöglich die Konzerthalle in München? Oder jene gleichnamige Schweizer Uhrenmanufaktur? Oder gar die Zeitschrift für den Orient?
Ich habe keine Ahnung – freue mich aber, wenn an selber Stelle bald wieder über die mangelnden Rechtschreibkenntnisse des Netzes gemäkelt wird. Dann ist es nämlich womöglich an der SZ, ihren Zenit zu erreichen (und dann auch ziemlich bald zu überschreiten).

Seriendarstellerdurcheinander bei Vox

Dezember 17th, 2009 § 0

Gestern Nacht bin ich völlig vor dem Fernseher hängen geblieben, weil ich´s einfach nicht glauben wollte. Die grandiose Serie “Life” war eben vorbei, die Zigarette aber noch nicht aus, so dass bereits “Crossing Jordan” begann – was ich früher gut ansehen konnte, mich dann aber sehr zu nerven begann, da diese Serie plötzlich ebenfalls begann, die Ermittler selbst ins Zentrum der Fälle zu rücken, sie also nicht mehr nur als deren Sub-, sondern auch Objekte zu begreifen. Das war, wie ich sehe, schon vor zweieinhalb Jahren arg in Mode, da habe ich einmal für den Freitag drüber geschrieben.
“Crossing Jordan” begann also, die Pathologin Jordan – dem die Serie den hübsch zweideutigen Titel verdankt (oder war´s vice versa?) – hatte plötzlich (wie gesagt: lange nicht gesehen) eine Praktikantin an ihrer Seite. Und diese Praktikantin wurde gespielt von Jennifer Finnigan, die ich bis dato nur aus “Close to Home” kannte, das ebenfalls kurzzeitig bei Vox zu sehen war, mittlerweile aber von CBS (und damit auch von Vox) nach nur zwei Staffeln eingestellt wurde.
So weit, so gut – doch dann kam der Vater des Opfers in die Pathologie. Und der wurde gespielt von Robert Gossett, den ich bis dato nur als Commander Taylor aus “The Closer” (ebenfalls Vox) kannte. Und als mich noch darüber wunderte, begann die zweite Folge, in der eine Rettungssanitäterin die Täterin war. Und die wurde gespielt von – na, Idee? Ok: von Emily Deschanel, die mir bis dato nur als Temperance Brennan vulgo “Bones” bekannt war. In Erwartung krudester Träume habe ich den Fernseher dann endgültig ausgeschaltet. Die kamen zwar nicht, war aber trotzdem besser so.

Kalenderwoche 50

Dezember 12th, 2009 § 0

Den Montag habe ich im Sitzungssaal Raum 1120 des Bayerischen Ministeriums für Forschung, Wissenschaft und Kultur verbracht, denn dort trafen sich Zuständige, Verantwortliche und sonstwie Betroffene in Sachen Literatur aus den bayerischen Bezirken, um über das Bayerische Literaturportal zu reden und nachzudenken. Unser Konzept scheint recht gut angekommen zu sein, unverkennbar ist allerdings, dass die die öffentlichen Institutionen in Bayern sich als zunehmend überlastet empfinden (ob das stimmt oder nicht, mag ich nicht beurteilen) und deshalb wohl eher wenig werden beitragen können. Jedoch sind noch lange keine letzten Worte gesprochen, wir werden also sehen, wie die Zusammenarbeit sich am Ende tatsächlich gestalten wird. Da ich erstmals eine Arbeitsgruppe zu leiten bzw. zu moderieren und deren Ergebnisse in großer Runde vorzustellen hatte und überhaupt allerlei Fragen beantworten musste, war ich nach dieser stundenlangen konzentrierten Anspannung ziemlich kaputt. Endlich zuhause habe ich meine Besprechung des (sehr schönen!) Hörbuchs “Die Nacht ist aus Tinte gemacht”, in/auf (?) dem die Nobelpreisträgerin Herta Müller von ihrem Aufwachsen im rumänischen Banat erzählt, noch einmal durchgelesen und abgeschickt an den Freitag.

Dienstagmorgen hatte ich meinen dieswöchigen “Altpapier”-Dienst (Freitag hatte ich dafür frei), der mich gleich mehrmals in die Schweiz führte (Einstellung der Gratiszeitung News, NZZ-Text über die Artikel deutscher Journalisten über das Minarett-Volksbegehren und aus gegebenem Anlass die NZZ-Folio-Geschichte über die Historie der Gratiszeitungen). Nachdem ich den Text eingespielt, alle Links gesetzt, die Bilder hochgeladen und auf “Speichern und Veröffentlichen” geklickt hatte, erschien die Anmeldeseite von dnews (offenbar hatte ich irgendeine Zeit überschritten). Und alles war weg. Übler Schock am Morgen, gegen den nicht einmal gutes Zureden wirklich hilft, schließlich war das pünktliche Erscheinen des Altpapiers, das ich für sehr wichtig halte, damit verunmöglicht.

Abends habe ich den Stammtisch des Aufbaustudiengangs Kulturkritik sausen lassen, weil ich nach diesen eineinhalb Tagen wenig Lust & Laune zum Plaudern hatte. Zum entspannenden Brainwash wollte ich mir dann “Popstars” anschauen, das ich in den vergangenen Wochen tatsächlich brav verfolgt habe. Was soll ich sagen: Es war furchtbar. Sobald die Sendung ihren Dokusoap-Charakter verliert und nurmehr aus der – von Wiederholungen der “schönsten Momente” elend in Länge gezogenen – Show besteht, wird´s ein jedes Mal wieder schlimm (siehe auch FAZ-Fernsehblog von Peer Schader).

Am Mittwoch: Einkommenssteuer-Vorauszahlung geleistet und meine Kritik des neuen, reichlich merkwürdigen Romans “Hinterland” von Feridun Zaimoglu angefangen, aber nicht recht weit gekommen damit. Dafür habe ich mir ein paar Gedanken über den Januar-KLAPPENTEXT gemacht und deshalb endlich wieder einmal Tucholsky gelesen.

Am Donnerstag habe ich als Multitaskerin völlig versagt, als zeitgleich eine dringende E-Mail kam und eine alte Freundin mich per Facebook anchattete, während ich ein wichtiges Telefonat führte. Abends sind Max und ich dann doch nicht zur zehnseiten.de-”Eventlesung” gegangen, sondern haben einfach nur zusammen zu Abend gegessen. Dass ich deshalb das Popstars-Finale nicht anschauen konnte, hat mich so überhaupt gar nicht gestört (s.o.), dass ich es mir nicht einmal mehr nachträglich online angesehen habe.

Am Freitag habe ich mich über diesen CARTA-Text eines Journalistik-Profs (!!!) aber sowas von geärgert sowie über die neueste Facebook-Mode, irgendwelchen Proforma-Gruppen (Wir sind für das und gegen dies) beizutreten. Als wäre damit das gesellschaftliche Engagement des guten Bürgers bereits erledigt. Allerdings bin ich seltsamerweise recht früh aufgestanden und habe in Rekordzeit die Zaimoglu-Kritik vollendet und gleich abgeschickt an die Berliner Zeitung.

Heute morgen habe ich die halbe Papiermülltonne mit den Vorschauen vom Herbst 2009 gefüllt, da die ersten für Frühjahr 2010 sich hier schon langsam zu stapeln beginnen. Vielleicht werde ich heute Abend mal hinein blättern. Außerdem steht ein Text für den Freitag an, über den ich hier gar nichts verraten will, weil ich das Thema eine ganz gute Idee von mir finde, worüber ich noch nirgendwo etwas gelesen habe, obwohl´s auf nicht nur einem Silbertablett herum liegt.

P.S.: Meine aktuelle Lektüre ist 1. “Unter diesem Einfluss” von Henning Kober (aus beruflichen Gründen), das einen schönen sprachlichen Drive hat, dessen Handlung mich allerdings zunehmend langweilt, weil sie zuallererst darin besteht, durch die Welt zu gondeln und dabei viel zu kiffen und überhaupt recht krass drauf zu sein (aber sooo krass dann eben auch wieder nicht); sowie 2. Fritz Sterns “Kulturpessimismus als politische Gefahr”, weil ich genau dieses Thema für höchst brisant halte, wobei mich das Buch ziemlich enttäuscht, da Stern an Lagarde, Langbehn und van den Bruck völlig individualpsychologisch herangeht und das “Rechte” am Kulturpessimismus (meiner Meinung nach) bislang noch nicht wirklich klären konnte; sowie 3. Rudolf Lorenzens Berlin-Reportagen, die der Verbrecher Verlag unter dem Namen “Paradies zwischen den Fronten” herausgebracht hat, weil ich Lorenzen für einen der ganz großen deutschen Autoren halte – worin ich auch nicht enttäuscht wurde. Während es mich überraschte, dass Lorenzen in seinen Zeitungstexten noch lustvoller seiner Vorliebe für die Fakten frönt und diesen scheinbar naiven Ton an den Tag legt. Wie eng und folgerichtig also sein literarischer Stil mit seinem journalistischen zusammenhängt.

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