By: katrin
Es hat wohl jeder Leser seine eigene Liste von auktorialen Untugenden, die ihm die Lektüre eines Romans gründlich verleiden. Bei mir ganz oben stehen: Klugscheißerei, Geheimnistuerei und Lexikon-Dialoge. Deswegen meide ich sowohl jede Art von Fantasy als auch die meisten Krimis, denn da bekomme ich schon vom Hingucken Pickel, weil Klugscheißerei, Geheimnistuerei und Lexikon-Dialoge üblicherweise zu den Königsdisziplinen dieser Genres zählen. Allerdings bekommen die beiden aktuell ernsthafte Konkurrenz von dem Roman „Toggle“, der in Sachen Klugscheißerei, Geheimnistuerei und Lexikon-Dialoge ebenfalls einige wahre Meisterleistungen vollbringt. Und das beginnt, wie immer, bereits im ersten Satz:
Die Bold Lane in West-Lancashire, zwanzig Meilen nördlich von Liverpool, war entgegen ihrem Namen schmal und von dichtem Buschwerk gesäumt.
Ganz offensichtlich will der Autor Florian Felix Weyh uns hier mit seinen Englischkenntnissen beeindrucken – Stichwort Klugscheißerei –, und zwar auf Teufel komm raus, sonst würde er den ...
By: katrin
Man könnte fast den Eindruck gewinnen, das Ebook sei nun endlich in den deutschen Feuilletons angekommen. Doch die Idylle trügt, denn digitale Bücher scheinen höchstens als abstraktes Phänomen interessant zu sein, anhand dessen sich über die Zukunft des Buchhandels und des Lesens im Allgemeinen schwadronieren, menetekeln oder jubilieren lässt. Als konkrete Literatur dagegen kommen Ebooks nicht vor; die bibliografischen Angaben unter einer Rezension weisen stets nur die gedruckte Version aus, und Bücher, die ausschließlich digital erscheinen, meidet das Feuilleton fast wie der Teufel das Weihwasser. Das Medium bleibt sich offensichtlich treu: Informationen über einzelne Ebooks findet man niemals auf Papier, sondern ausschließlich in digitaler Form, im Internet.
Zwar gibt es verschiedene Blogs und Portale, die sich nicht allein dem Ebook als solchem, sondern auch den Publikationen selbst widmen. Wer aber nach einem umfassenderen Angebot an Werken und allen möglichen zugehörigen Meinungen ...
Ausserdem
Die Leichtigkeit, mit der manche die Politik kritisieren, während sie selbst sich das Leben so einfach wie nur möglich machen, ist wahrlich verblüffend. Beispiele dafür gibt es mehr als genug, ja, viel zu viele: Man verlangt den totalen Datenschutz, stattet sich aber zugleich großzügig mit Apple aus; man jammert über den Verfall des stationären Buchhandels, [...]