“Schlaumeier-Medien”

By: katrin

Stefan Niggemeier hat den Text-Fabrikanten Stefan Winterbauer vor einigen Tagen als „Blinden unter den Einäugigen beim Branchendienst Meedia“ bezeichnet. Ich hielt das zuerst für eine unzulässige Despektierlichkeit – doch das tue ich mittlerweile nicht mehr. Der Grund dafür ist Winterbauers Meedia-Text „Feuilleton-Trolle im Dschungelfieber“. Denn der ist ein geradezu vorbildliches Zeugnis dafür, dass Intellektuellenfeindlichkeit längst (wieder) populär geworden ist. Der kleinbürgerliche Hass, der in diesem Text zutage tritt, ist wahrlich gruselig. Dass es mit Winterbauers rhetorischen Fähigkeiten nicht allzu weit her ...

Wenn Frauen verschwinden

By: katrin

Ich hatte mich schon am 29. Dezember des vergangenen Jahres geärgert, mit welch raunender Entrüstung Spiegel Online über die Retusche eines Fotos vom Staatsbegräbnis in Nordkorea berichtete. Und es dann wieder vergessen, wenn heute nicht „6 vor 9“ einen etwas nüchterneren Beitrag über dasselbe Thema auf 20minuten.ch verlinkt hätte. In der zugehörigen Bildergalerie (einer ausnahmsweise sehr guten, da sehr gut und informativ aufbereiteten) kommen dann endlich auch jene Fälle vor, die keine Einzelfälle darstellen, sondern gängige Praxis sind, aber in ...

Versammelte Untugenden
Oder: Nach 46 Seiten war mit “Toggle” Schluss

By: katrin

Es hat wohl jeder Leser seine eigene Liste von auktorialen Untugenden, die ihm die Lektüre eines Romans gründlich verleiden. Bei mir ganz oben stehen: Klugscheißerei, Geheimnistuerei und Lexikon-Dialoge. Deswegen meide ich sowohl jede Art von Fantasy als auch die meisten Krimis, denn da bekomme ich schon vom Hingucken Pickel, weil Klugscheißerei, Geheimnistuerei und Lexikon-Dialoge üblicherweise zu den Königsdisziplinen dieser Genres zählen. Allerdings bekommen die beiden aktuell ernsthafte Konkurrenz von dem Roman „Toggle“, der in Sachen Klugscheißerei, Geheimnistuerei und Lexikon-Dialoge ebenfalls einige wahre Meisterleistungen vollbringt. Und das beginnt, wie immer, bereits im ersten Satz: Die Bold Lane in West-Lancashire, zwanzig Meilen nördlich von Liverpool, war entgegen ihrem Namen schmal und von dichtem Buschwerk gesäumt. Ganz offensichtlich will der Autor Florian Felix Weyh uns hier mit seinen Englischkenntnissen beeindrucken – Stichwort Klugscheißerei –, und zwar auf Teufel komm raus, sonst würde er den ...

99 Cent

By: katrin

Man könnte fast den Eindruck gewinnen, das Ebook sei nun endlich in den deutschen Feuilletons angekommen. Doch die Idylle trügt, denn digitale Bücher scheinen höchstens als abstraktes Phänomen interessant zu sein, anhand dessen sich über die Zukunft des Buchhandels und des Lesens im Allgemeinen schwadronieren, menetekeln oder jubilieren lässt. Als konkrete Literatur dagegen kommen Ebooks nicht vor; die bibliografischen Angaben unter einer Rezension weisen stets nur die gedruckte Version aus, und Bücher, die ausschließlich digital erscheinen, meidet das Feuilleton fast wie der Teufel das Weihwasser. Das Medium bleibt sich offensichtlich treu: Informationen über einzelne Ebooks findet man niemals auf Papier, sondern ausschließlich in digitaler Form, im Internet. Zwar gibt es verschiedene Blogs und Portale, die sich nicht allein dem Ebook als solchem, sondern auch den Publikationen selbst widmen. Wer aber nach einem umfassenderen Angebot an Werken und allen möglichen zugehörigen Meinungen ...