Kritik an der Kritik: Aufmerksamkeitsdefizitstörung

Februar 3rd, 2010 § 0

Ich habe leider keine Statistiken darüber aufgestellt, aber manchmal kommt es mir doch so vor, als gehorchte die Kritik an der Kritik auch irgendwelchen saisonalen Gesetzen. Diesen Winter jedenfalls tritt sie wieder verstärkt auf (war das auch im vergangenen Winter so?). Wenn´s von draußen kalt heranweht, kühlt man eben langsam nach innen durch, und dann friert´s einen – das kenne ich auch – plötzlich umso doller angesichts des Blödsinns und/oder der Gemeinheiten, die man in manchen Zeitungen so zu lesen bekommt.

Den Auftakt bildete, soweit ich das im Blick habe, Oliver Gehrs in der November-2009-Ausgabe des Medium Magazins (frei online im Dummy Blog), “Hört bloß auf zu loben!” lautete die Überschrift, unter der er sich über all die elenden Superlative ausließ, die Literaturkritiker so gerne verwenden. Es geht darin auch im Bolanos “2666″, und in dem Fall muss ich ihm durchaus Recht geben: Das ist ein dolles Buch, keine Frage – aber ein “Meilenstein der literarischen Evolution” (ZEIT)? Hm. Auch finde ich – im Gegensatz zu Felicitas von Lovenberg (FAZ) – keinesfalls, dass man “für 2666 […] eine neue Bezeichnung in die Literaturgeschichte einführen” muss (”bolanoesk” schlug von Lovenberg, wie einfallslos, vor).
Gehrs schreibt:

Ich weiß nicht, was los wäre, wenn sich andere Redaktionen mit solcher Inbrunst des Schwelgens hingeben würden. Wenn der Sportredakteur von einem Fußballspiel berichtete, wie es noch nie eins gegeben hat, der Autotester von einem Wagen, der mit Worten nicht mehr zu beschreiben ist, der Politikredakteur von einer Rede, die einen nicht mehr loslässt und der Medienjournalist von einer Sendung, die Geschichte schreiben wird.

Und da weist er auf ein Problem hin, das er dann leider nicht weiter ausführt. Ich glaube nämlich, der ganze Überschwang der Literaturkritiker rührt auch daher, dass sie sich bewusst oder unbewusst auch als Agenten der Literatur im Allgemeinen – und damit auch des Buchmarktes – sehen. Dass sie also glauben, sie müssten ihre Leser vom Lesen (i.e. Kaufen) an sich überzeugen, weil das ja keiner mehr tue (im Gegensatz zum Fußballspielegucken und Autofahren). Dass sie daran auch indirekt schuld sind, weil sie jedes Buch wieder über den Klee loben und sich der Leser folglich gar nicht mehr auskennen KANN, übersehen sie dabei geflissentlich. Wie auch – meine Meinung -, dass man sich bei Nicht-Lesern besser nicht anbiedern sollte.

Nicht weniger problematisch ist die Tatsache, dass manche Redakteure (nicht alle!) etwas anderes als überschwänglich Positives gar nicht mehr sehen wollen. Ich habe mit meinen Chefinnen da großes Glück, die wollen wirklich über die Bücher sprechen und keine Tipp-Texte. Nur einmal erging es mir anders, und das war ausgerechnet bei den LITERATUREN der Fall, von denen ich dachte, dass sie den Diskurs über Literatur tatsächlich führen wollten. War aber nicht so: Als ich im Vorgespräch über eine Kritik sagte, das Buch sei Kitsch (oder so ähnlich), hatte ich den Auftrag zur Besprechung auch schon verloren. Und Geld habe ich für die Lektüre natürlich auch keines bekommen. (Der Text erschien dann glücklicherweise in der Berliner, ich habe gute Chefinnen wie gesagt.)

Womit wir bei der zweiten Kritik an der Kritik wären, bei Jörg Sundermeiers “Warum es dicke Bücher schwer haben” in der Jungle World. Wenn ich mit dem Verleger nicht schon vorher einmal über dieses Thema geredet hätte, würde ich wohl jetzt in all meiner traurigen Naivität vor seinem Artikel sitzen. Sundermeier behauptet, dass Kritiker Bücher oft gar nicht komplett lesen; beim Buch eines Autors aus seinem Bekanntenkreis, das 1000 Seiten fasse (und sich entsprechend schwer tat, einen Verlag zu finden), hätten einige Rezensenten “sogar beim Verlag nach einer Kurzzusammenfassung ersucht”. Ich kann´s immer noch nicht glauben, ehrlich. Woher das kommt, ist allerdings einfach. Sundermeier:

1 000 Seiten anspruchsvolle Literatur wollen erstmal gelesen sein. Der Literaturkritiker, die Radioreporterin, der Experte vom Fernsehen, sie alle werden nach Zeilen und Sendezeit bezahlt, der Aufwand muss sich lohnen, und ein dünnes Bändchen liest sich nun mal schneller weg als ein dicker Wälzer. Wer vom Zeilengeld leben muss, liest und bespricht lieber viele anspruchslose Romane im Monat als nur einen anspruchsvollen.

Doch geht es ihm nicht nur um die ökonomischen Zwänge, sondern auch um die Qualität:

Leider sind die Kritiken nicht selten allein deshalb “meinungsstark” geschrieben, weil sich der Kritiker als kritischer Geist auszuweisen versucht. Der Kritiker bewirbt sich also selbst. Generell gilt: An die Stelle von textlichen Kriterien treten geschmäcklerische Urteile, auf die Einordnung in das Werk des Autoren wird zugunsten des Porträts verzichtet, manch ein kritischer Einwurf wird gleich ganz zugunsten der Nacherzählung des Medienspektakels um das Buch geopfert.

Womit wir bei der dritten Kritik an der Kritik wären, bei Torsten Körners Artikel “In der Spottgemeinschaft” aus der Funkkorrespondenz, der sich anlässlich von Dieter Wedels Fernsehfilm “Gier” über die Mechanismen der Medienkritik erregt.
Richtig ist daran, dass viel geätzt wird, viel Spott ausgeschüttet wird, was manchmal wahrlich unangenehm bis peinlich ist. Die Beispiele, die Körner aus der SZ nennt, haben mich auch gegruselt. Nur ist sein Text selbst alles andere als konsequent. Erst lobt der Autor Wedel dafür, dass er überhaupt noch anspruchsvolles Fernsehen mache – das hat aber meiner Meinung nach mit Kritik nichts zu tun, ein Werk will doch an den eigenen Ansprüchen gemessen werden, und nicht daran, dass es unter den Schlechten noch das Beste ist; sonst müsste man über den Boulevard ja kein Wort mehr verlieren, und das hielte ich für ziemlich falsch. Dann sagt Körner außerdem, dass man Person und Werk auseinander halten soll – was er ja gerade im Eingang seines Textes nicht gemacht hatte.
Die grundlegende These ist jedenfalls, und damit geht er beinahe mit Sundermeier d´accord, dass die Kritiker selbst den Mechanismen des Marktes gehorchen:

“Sie selbst müssen ihre Kritiken als Events anlegen, sie müssen auf Teufel komm raus unterhalten, sie sind vielfach eher Entertainer als Kritiker, sie verhalten sich zu ihrem Gegenstand eher wie Dieter Bohlen sich zu den Kandidaten seiner Castingshows verhält, sie klopfen Sprüche, gehobene Sprüche freilich.”

Hm. Also: Ja, unterhalten mag ich mit meinen Texten auch, und das mag auch Torsten Körner, würde ich annehmen. Sonst hätte er seine Argumente ja in Form von Stichpunkten und ohne jegliche Metaphorik präsentieren können. Hat er aber nicht gemacht, so nüchtern ist er dann doch nicht (z.B. schreibt er “Wedel ist auf jeden Fall kein Kerlchen, wie es viel zu viele gibt in diesem Geschäft. Er ist immer noch ein Kerl, der letzte Sonnenbrillenfürst unter Deutschlands kleinem Film- und Fernsehhimmel.”).

Zudem sieht er nicht, dass dieser Spott und dieses Ätzen gerade den Versuch darstellt, gegen diese ganze Sender-PR zu opponieren, indem man demonstriert, dass man eine eigene, i.e. andere Meinung hat. Dass also, wie Körner prinzipiell fordert, der Medienbetrieb auf diese quasi spiegelnde Weise in die Kritiken einfließt. Das ist falsch, keine Frage, weil es eben nicht mehr unabhängig ist. Ich glaube jedoch, Körner versteht das zu wenig systemisch – schließlich ist auch die Kritik Teil des Betriebs und insofern dessen Mechanismen natürlich ebenfalls unterworfen. Die SZ muss eben auch Quote machen. (Aber ja: Ein bisschen mehr Mühe könnte man sich dabei manchmal schon geben.)

Ich glaube ohnehin, das Problem ist von anderer systemischer Natur. Das macht das Beispiel von Felicitas von Lovenberg ja unmissverständlichst klar: Im Journalismus geht es nicht mehr (nur?) um die Leser, sondern darum, in die Geschichte einzugehen, indem man z.B. eine neue Bezeichnung in die Literaturgeschichte einführt. Das heißt: an der ganz großen Historie mitschreibt. Die Eitelkeit ist eben ein schmaler Grat: Ohne wird man kaum Journalist werden, aber zuviel davon sorgt dafür, dass man sich eigentlich nicht mehr als solcher bezeichnen dürfte. Und unter den heutigen Bedingungen der quasi epidemisch verbreiteten Aufmerksamkeitsdefizitstörung wird dieser Grat tatsächlich immer schmäler. Aber es gibt ihn durchaus noch.

Augenwischerei

Januar 29th, 2010 § 0

Wie jeden Morgen krümelte uns auch heute noch der Schlaf in den Schlupflidern, begaben wir uns deshalb mit wie immer arg getrübtem Blick auf die Suche nach den Augenwischerei-Pads, entdeckten sie unerwarteterweise auf dem Fußabstreifer vor der Wohnungstür, griffen trotzdem danach und – hielten plötzlich die FAZ in den Händen.
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“Für uns war der Krieg nicht zu Ende”: Zu Unrecht übersehene Bücher I

Januar 22nd, 2010 § 0

Ein Vorurteil über Literaturkritiker lautet ja, dass sie von Büchern im Grunde längst genug haben. Das stimmt natürlich nicht. Oder nur in ganz wenigen Fällen, und selbst dann ist es oft bloß Koketterie. Nie vergessen werde ich die Szene, als ich Sabine Vogel – sozusagen eine meiner Chefinnen, da Literaturredakteurin bei der Berliner Zeitung – in Berlin besuchte. Sie hatte schon gesagt, ich solle am besten mehrere Tüten oder Taschen mitbringen, was ich dann aber zu sehen bekam, übertraf doch alle Erwartungen (Befürchtungen?): In dem nicht gerade groß zu nennenden Büro (der Blick von außen auf das Haus am Alexanderplatz trügt nicht) war tatsächlich nirgendwo mehr Platz. Die Bücher standen nicht nur in allen Regalen und türmten sich nicht nur auf dem Schreibtisch, sondern belegten stapelweise auch beinahe den kompletten Fußboden. Und wie bestellt kam dann die Sekretärin mit einer weiteren Lieferung von wohl noch einmal 50 Neuerscheinungen. Gemeinsam sortierten wir ein wenig, und tatsächlich machte ich mich schwerst bepackt auf den Heimweg (nachdem wir über nichts anderes als Bücher gesprochen hatten, wie schön!). Doch ich komme ab vom Thema.

Was ich eigentlich sagen wollte: Tatsächlich bekommen Literaturkritiker viel mehr Bücher, als sie jemals lesen können (zumindest, was mich betrifft) geschenkt. Und dennoch stöbern sie weiterhin gerne in Buchhandlungen (zumindest, was mich betrifft). Niemals gekauft hätte ich mir allerdings die Reportagensammlung “Die Nacht von Wildenhagen” von Wlodzimierz Nowak. Dafür sind mehrere Faktoren verantwortlich. Erstens: Eichborn gehört nicht gerade zu meinen Lieblingsverlagen (wie etwa Droschl, Verbrecher oder Bilger, von denen ich quasi alles blind kaufen würde); ob das nun mit der Qualität oder einfach nur Geschmack zu tun hat, lassen wir hier mal dahin gestellt. Zweitens (zurück zu Nowak): Der Untertitel des Buchs “Zwölf deutsch-polnische Schicksale” reizt mich ebenfalls so überhaupt nicht; ich bin wohl etwas allergisch auf das Wort “Schicksal”. Drittens: Bei der Biografie von Nowak auf dem Umschlag der Buchs wird eher umwegig die Brücke zu Ryszard Kapuscinski geschlagen, und sowas nervt mich grundsätzlich: wenn die Texter solcher Texte nicht die Eigenarten des Autors herausstellen, sondern sich mit Analogien behelfen oder gar Testimonials bemühen, die darüber nicht einmal Bescheid wissen.
Exkurs: Ganz großartig ist in diesem Sinne das Zitat auf der Rückseite des völlig unbekannten (und von mir auch noch nicht gelesenen) Romans “Hohlkörper” von Robert Mattheis. Da steht nämlich:

“Ein knackiges Pressezitat? Was genau stellst du dir denn unter einem knackigen Pressezitat vor, Robert?” Maik Brüggemeyer, Rolling Stone

Und: Kaum weniger als solche brüchigen Brückenschlägereien finde ich die Kritiken, die vor allem ex negativo argumentieren, mir also erst einmal erklären, was das Buch nicht ist (kitschig/pathetisch/schwer etc.). Das passiert mir selbst leider auch oft genug, ich bemühe mich aber ehrlich, es zu vermeiden.
Zurück zur “Nacht aus Wildenhagen”, das ich also nicht gekauft habe, sondern für den KLAPPENTEXT als Rezensionsexemplar bestellt habe und dadurch glücklicherweise eines Besseren belehrt wurd: Das ist ehrlich großartig. Das große Thema von Nowaks Reportagen ist, wie der Zweite Weltkrieg die Genealogien für Jahrzehnte in Unordnung brachte, wie er an Biografien mitschrieb und auch heute noch mitschreibt. Nowak erzählt von Schleppern und Opelanern, von 18-jährigen SS-Soldaten und “arisierten” polnischen Mädchen, von glückenden und weniger glückenden Verständigungen zwischen Diesseits und Jenseits der Oder-Neiße-Grenze. Und das mit eben jener journalistischen Lakonie, die die zeitgenössische Literatur leider viel zu oft zu kopieren sucht, um´s ein bisschen authentisch klingen zu lassen. Bei Nowak ist es das in jedem Fall: authentisch.

Anschauen!

Januar 13th, 2010 § 0

KDD, 3. Staffel, erste Folge.
Wer die ersten beiden Staffeln gesehen hat, den wird´s freilich bei den ersten Tönen schon erfassen. Wer nicht, für den gibt es am Anfang die Zusammenfassung des Was-bisher-geschah.

Das Publikum will es so!

Januar 11th, 2010 § 0

Was mich ja immer wieder erstaunt: Wie viele Menschen in den Medien arbeiten, obwohl sie das, was sie da gerade tun, nicht besonders gern zu mögen scheinen. Oder wenigstens für ziemlich bescheuert halten. Tucholsky hat das mal so schön auf den Reim gebracht:

O hochverehrtes Publikum,
sag mal: Bist du wirklich so dumm,
wie uns das an allen Tagen
alle Unternehmer sagen?
Jeder Direktor mit dickem Popo
spricht: “Das Publikum will es so!”
Jeder Filmfritze sagt: “Was soll ich machen?
Das Publikum wünscht diese zuckrigen Sachen!”
Jeder Verleger zuckt die Achseln und spricht:
“Gute Bücher gehn eben nicht!”

Und was soll man sagen: Genau so ist kommt es mir wirklich vor.
Der erste Fall, der Unternehmer interessiert mich von den Dreien noch am wenigstens. Der zweite Fall, der Filmfritze, aus verständlichen Gründen dann doch schon mehr. Die Presse hat dafür eine oftmals eher peinliche Lösung gefunden: Über schlechte Kinofilme wird meistens gar nicht erst berichtet, über schlechte TV-Produktionen macht man sich meistens ironisch lustig – offenbar im Bewusstsein, dass man daran ohnehin nichts ändern kann.
Der dritte Fall wiederum, der Verleger, geht mir dagegen ehrlich an die Nieren. Das mag keine intellektuelle Berechtigung haben, sondern in rein persönlichen Vorlieben begründet sein, weil mir Bücher eben doch noch ein wenig näher am Herzen liegen als das Fernsehen (das im Gegenzug definitiv das kulturell spannendere Medium darstellt, aktuell zumindest).
Die Verlage, die sich nurmehr über Wasser halten können, indem sie Nicht-Bücher produzieren – und damit meine ich keinesfalls die Schmonzetten, sondern die so genannten “Geschenkbücher” (allein das Wort schon!) sowie jene so genannten “Ratgeber”, die nichts anderes als strukturierte Volksverdummung darstellen – diese Verlage werden immer mehr. Nun mag der Rationalist gerne kommen und mich darauf hinweisen, dass Verlage eben privatwirtschaftlich organisiert werden und also sehen müssen, wo sie bleiben. Danke, ist mir auch klar. Ich trauere trotzdem.
Noch schlimmer finde ich manchmal allerdings – womit wir dann doch beim Publikum wären -, dass diese Bücher tatsächlich in Massen gekauft werden (was nur niemandem auffällt, weil man sie nicht in die Bestsellerlisten lässt). Vor allem jene Bücher, die irgendwelches krudes (meist auch noch in fürchterlichem Deutsch verfasstes) Zeug von der Geheimwissenschaft, der Erleuchtung und dem Anderen Wissen quacksalbern. Da erzählt den Lesern einer etwas von unterdrückten Wahrheiten und dem bösen gesellschaftlichen Mainstream, der dagegen mit übelsten Mitteln ankämpfe – und diese Leser merken gar nicht, dass sie gerade ordentlich verschaukelt werden; dass sie gerade fröhlich mittenmang mitpaddeln im Mainstream. Dabei könnte man darauf ganz einfach kommen: Man müsste nur auf das Verlagslogo gucken und würde dann umgehend feststellen, dass der Anti-Mainstream gerade mächtig Mainstream ist (oder zählt man Bertelsmann, Heyne und ähnliche etwa neuerdings nicht mehr dazu?). Will es das Publikum also wirklich nicht anders?
Ich glaube, es war Robert Menasse, der jüngst mal wieder darauf hinwies, dass mit Dummen keine Demokratie zu machen ist.

Macht Finanzjournalismus paranoid?

Januar 8th, 2010 § 0

Man könnt´s jedenfalls fast meinen angesichts dieses und jenes Falls.
Anmerkung am Rande: Ich habe ja ehrlich tiefste Hochachtung davor, dass Hagalil immer noch Kommentare zulässt trotz der Gefahr, dass das Forum am Ende noch für darin enthaltene Inhalte haftbar gemacht werden könnte.
Zweite Anmerkung am Rande: Um den zweiten, den Focus-Money-Fall, geht es auch in meinem heutigen Altpapier (am Rande, klar).

Automatischer Stallone

Januar 6th, 2010 § 0

Es ist nun ziemlich genau ein Jahr her, dass meine Kollegen und ich unser letztes “Altpapier” bei der Netzeitung veröffentlichten. Dass es mit dieser ersten aller reinen Onlinezeitungen vermutlich kein besonders schönes Ende nehmen würde, ahnte man da natürlich längst. Seit ein paar Tagen gibt es dort nun gar keine Redakteure mehr, der Nachrichtenbetrieb wurde automatisiert, die Redakteure eingespart. Auf netzeitung.de erfährt man davon jedoch nichts, der Abschiedsbrief der Redakteurinnen und Redakteure wurde offensichtlich aus dem Archiv entfernt und ist also nurmehr im Google-Cache vorhanden. Ist ja auch wirklich nicht die Art von Historie auf die man stolz sein kann, klar.
[Update: Nun stimmt nicht einmal mehr der Cache-Link, auf der Seite www.netz-zeitung.de/ueberuns/ ist er zwar noch gelistet, ein Klick darauf führt allerdings auf einen Text von 2001, der damit so gar nichts zu tun hat - oder doch?]
Nun gehörte die Netzeitung schon länger nicht mehr zu jenen Seiten, die ich morgens als erste ansteuerte – eben weil es mehr und mehr am eigenen Inhalt mangelte -, sodass ich beinahe schon geneigt war anzunehmen, dass ihr die Automatisierung nicht mehr viel anhaben könnte. Bevor ich sie heute von meiner Lesezeichenliste entfernen wollte, klickte ich aber doch noch einmal vorbei.
Und siehe da – die Automatisierung hat einen ganz und gar herrlichen Effekt! Unter der Überschrift “Kultur” (die Gänsefüßchen gehören da unbedingt hin) zum Beispiel findet man Nachrichten, die diesen Plural eigentlich gar nicht verdient haben:
stallone
Immerhin dafür ist netzeitung.de also weiterhin zu gebrauchten: Auf derart eindrückliche Weise hat bislang, glaube ich, noch keine Website die Uniformität unserer Onlinenachrichtenmedien demonstriert.

Cover-Poesie: Blühender Zellstoff

Januar 4th, 2010 § 0

Wer glaubt, ein Buch bestehe aus den nach ihm benannten Staben oder gar aus Seiten, der irrt sich. Man stabt oder seitet schließlich nicht in einem Buch, nein: Man blättert darin, ein Buch besteht so gesehen aus Blättern. Und das ist ganz und gar nicht metaphorisch, denn Papier, man kennt es, wird tatsächlich aus pflanzlichen Fasern fabriziert. Früher war das mal Holz, genau, aber das wird ja nicht mehr ganz so gern gesehen. Weshalb Papier nun auch aus bereits einmal oder gar mehrfach gebrauchtem und das bedeutet wohl: beschriebenem Papier gewonnen wird. Der postmoderne Denker weiß da längst, der Leser ahnt es ebenfalls: Das hat literarische Folgen! Und tatsächlich: Seitdem die Welt dem Recycling frönt, haben nicht nur literarische Selbstreflexivität und die sogenannte Intertextualität zugenommen, sondern nun muss die Pflanze, von der wohl immer weniger drinsteckt in so einem Buch, eben vorne drauf, auf das Cover.
Weiterlesen bei der Berliner Zeitung …

Der neue KLAPPENTEXT ist da

Dezember 31st, 2009 § 0

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Liebe Leserinnen und Leser,

München bekommt endlich ein (hoffentlich!) ordentliches Literaturfestival. Und Bayern endlich ein hoffentlich nicht minder ordentliches Literaturportal. Was dem Klappentext da noch zu wünschen übrig bleibt für 2010? Ach, einiges. Weniger Bücher zum Beispiel. Weil ohnehin schon viel zu viele auf dem Markt sind, die wir nie werden lesen können. Und natürlich: mehr Bücher. Weil es dann leider doch noch viel zu wenige gibt, die uns Herz und Hirn erhitzen und uns beinahe um den Verstand bringen. Sie sehen´s schon: Wir sind so f latterhaft und unentschieden wie eh und je – und sonst ändert sich auch nix. In diesem Sinne wünschen wir:

Lesen Sie gut!
Ihre Redaktion

Und nun: KLAPPENTEXT lesen! (PDF)
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Die Korrekturen I

Dezember 30th, 2009 § 0

Die SZ schreibt heute über Britt Hagedorn, und in diesem Text findet sich der Halbsatz: “Zehn Jahre nachdem der Talkshowboom 1999 seinen Zenith erreicht (und dann auch ziemlich bald überschritten) hatte”.
Was will uns die Autorin damit bloß sagen? Meint sie mit “Zenith” womöglich die Konzerthalle in München? Oder jene gleichnamige Schweizer Uhrenmanufaktur? Oder gar die Zeitschrift für den Orient?
Ich habe keine Ahnung – freue mich aber, wenn an selber Stelle bald wieder über die mangelnden Rechtschreibkenntnisse des Netzes gemäkelt wird. Dann ist es nämlich womöglich an der SZ, ihren Zenit zu erreichen (und dann auch ziemlich bald zu überschreiten).